Schiedsrichteranweisungen

Regelfragen

Zu speziellen und wichtigen Regelfragen und deren Auslegung hat der DSV Anweisungen an die Schiedsrichter herausgegeben:

1. Torgewinn nach Freiwürfen
Nach einem Freiwurf ist ein direkter Torwurf in folgenden Situationen erlaubt:
wenn Foul und Ball außerhalb des 6m Raumes sind. Der Spieler kann unmittelbar werfen und darf dabei nicht angegriffen werden.
Beachte, dass der Ball beim Wurf auch näher am Tor als das Foul sein darf - selbst wenn der Spieler sich in einer unverzüglichen Wurfbewegung etwas nach vorne bewegt. Entscheidend ist nur, dass der Wurf unverzüglich ausgeführt wird und der Ball außerhalb des 6m Raumes die Hand verlässt.
bei einem Eckwurf. Dies ist auch möglich, wenn der Ball für die Ecke zunächst vom Torrichter/Mannschaft eingeworfen wird und/oder der Spieler sich den Ball holen muss und zur Ecke schwimmt.


Nicht erlaubt sind direkte Torwürfe
nachdem das Spiel unterbrochen wurde und der Schiedsrichter den Ball gefordert hat (Verletzung, Kappe aufsetzen etc.), oder nachdem der Ball die Seitenauslinie überschritten hatte. Hier muss zunächst ausgeführt werden.
die nicht in einer unmittelbaren Bewegung ausgeführt werden.


Torwurf nach Antäuschen, Schwimmen etc.
Sind Foul und Ball außerhalb des 6m Raumes, darf der Angreifer zunächst ausführen (und damit angegriffen werden) und danach beliebig antäuschen und schwimmen (auch in den 6m Raum) bevor ein Tor erzielt wird.
Waren das Foul oder der Ball innerhalb des 6m-Raumes, kann der ausführende Spieler kein Tor erzielen, selbst, wenn er aus dem 6m-Raum heraus schwimmt.
Ausführen, dann Schwimmen, Antäuschen und Torwurf sind auch bei einer Ecke oder Wiederbeginn des Spiels möglich, selbst wenn ein direkter Wurf nicht erlaubt war (z.B. nach Auszeit, Seitenaus, Verletzungsunterbrechung...)

2. Strafwurfsituationen
Um auf Strafwurf zu entscheiden, müssen folgende Kriterien erfüllt sein (bis auf wenige, in den Regeln separat aufgeführte Ausnahmen):
1. Das Foul ist eindeutig innerhalb des 6m Raums.
2. Durch das Foul wird ein wahrscheinliches Tor verhindert.
3. Der Angreifer hat den Ball und könnte ohne Foul zum Abschluss kommen; oder er bekommt den Ball so zugespielt, dass er ihn ohne Foul erreichen könnte.
4. Der Angreifer ist dem Tor zugewandt. (Ausnahme: Foul vor dem “leeren” Tor, z.B. durch den Towart.)
5. Der Angreifer zeigt den Willen, ein Tor zu erzielen.
6. Falls der Ball auf der Hand des Angreifers ist, muss ein strafwurfwürdiger Angriff von hinten erfolgen und nicht nur den Ball (bzw. die  Ballführende Hand - siehe grünen Bereich) attackieren.
Ist einer der obigen Punkte nicht erfüllt, kann nicht auf Strafwurf entschieden werden.

 

3. Halten und Behindern
Festhalten im Rückraum durch den Verteidiger mit zwei Händen, um die Bewegung des Angreifers zu unterbinden, bedeutet Ausschluss.
Aufschwimmen auf die Beine oder Rücken des Angreifers, auch wenn sich der Verteidiger selbst auf Rückenlage dreht, bedeutet  Ausschluss.
Behindert ein Angreifer die Bewegung des Verteidigers, z.B. durch stellen eines Blocks ohne Schwimmbewegung, oder stößt er sich ab, wird auf Umkehrfoul entschieden, wenn das Foul zu einem eindeutigen, spielrelevanten Vorteil führt. Es bleibt weiterhin der Grundsatz, dass Spielrelevanz für Umkehrfouls vor allem in Ballnähe gegeben ist. Einzige Ausnahmen sollten ansteigende und übertriebene Härte oder  Konter- und Einschwimmsituationen (bei drohendem Anspiel) sein.


4. Ausschluss ohne Ball
Positionskampf, insbesondere im Center-Bereich, sind Teil des Spiels und können toleriert werden, solange sowohl der Angreifer als auch der Verteidiger sich um spielrelevante Positionsverbesserung bemühen und nicht ausschließlich den Gegner attackieren. Um die Härte des Spiels, insbesondere am Center, zu kontrollieren, muss rechtzeitig auch ohne Ball gepfiffen werden, sobald der Zweikampf aggressiv  geführt wird und hauptsächlich die Bewegung des Gegners eingeschränkt wird (z.B. durch Halten, Drücken), oder der Gegner provoziert wird.


5. Ball unter Wasser
Ball unter Wasser ist mit Bedacht zu ahnden. In der Vergangenheit wurde es teilweise als einfacher Ausweg aus einer dynamischen  Angriffssituation genutzt, um andere, schwierige Entscheidungen zu vermeiden. Es ist nur auf Ball unter Wasser zu entscheiden, wenn der Ball deutlich komplett unter Wasser ist und dadurch entweder ein ungerechter Vorteil für den verursachenden Spieler entsteht (z.B. wegziehen des Balles unter Wasser vom Gegenspieler), oder die Aktion dadurch gestoppt wird (z.B. dauerhaftes Unter-Wasser-drücken  des Balles). Nicht immer ist Ball unter Wasser auch ein Umkehrfoul. Oft attackieren die Verteidiger die ballführende Hand und drücken den Ball unter Wasser. Die Schiedsrichter müssen darauf achten, ob der Angreifer tatsächlich die Hand am Ball lässt (dann Umkehrfoul) oder den Ball loslässt (dann ggf. Freiwurf für den Angreifer).